Therapie für Hunde, die Berührung fürchten

Wenn Vertrauen Zeit braucht.

Warum gerade Angsthunde so wundervoll von Physiotherapie profitieren.

Angst ist nichts, wofür sich ein Hund schämen müsste. Und auch nichts, wofür sich ein Mensch schämen sollte. Sie entsteht leise, wächst oft über Jahre und zeigt sich dann ganz plötzlich in Momenten, in denen der Körper nicht mehr weiß, wie er Spannung halten soll. Viele Halter erzählen, dass sie lange überlegen, bevor sie einen Termin vereinbaren. Alleine aus Sorge, ihr Hund könne sich nicht anfassen lassen. Aus Angst, er könnte irgendwie auffällig sein. Oder weil sie glauben, die Dinge, die sie gemeinsam aufgebaut haben, könnten durch eine fremde Berührung ins Wanken geraten.

Aber das passiert nicht.

Physiotherapie bei Angsthunden ist etwas vollkommen anderes als viele erwarten. Sie ist keine Behandlung, die man über sich ergehen lassen muss, keine starre Abfolge von Griffen, kein erzwungener Kontakt. Für Hunde, die sich unsicher fühlen, ist sie oft der erste Moment seit langer Zeit, in dem ihr Körper verstanden wird.

Ich beginne nie mit Technik. Ich beginne mit Beziehung.
Mit Zuhören.
Mit Raum lassen.
Mit der Einladung, Kontakt selbst zu wählen.

Manche Hunde trauen sich das erst nach Minuten. Andere nach Wochen. Und manche kommen bereits nach wenigen Atemzügen von selbst näher, weil sie spüren, dass hier niemand etwas von ihnen verlangt. Dass niemand sie korrigiert oder festhält oder erwartet, dass sie funktionieren. Angst trägt einen enormen körperlichen Tonus in sich. Verspannte Faszien, flache Atmung, ein Nervensystem, das viel zu oft im Alarmmodus feststeckt. Wenn man diesen Druck nicht sieht, kann man leicht glauben, der Hund würde sich anstellen. Wenn man ihn aber fühlt, begreift man, wie viel Kraft Angst kostet.

Hier beginnt die Therapie!

Nicht, weil ich etwas erzwinge, sondern weil der Hund eine Erfahrung macht, dass Berührung auch Sicherheit bedeuten kann. Dass ein Mensch da ist, der ihn sieht, ohne etwas von ihm zu wollen. Dass Entspannung nicht gefährlich ist. Viele dieser Hunde zeigen in meiner Arbeit Reaktionen, die ihre Besitzer tief berühren. Ein langsames Abatmen, ein Zittern, das nachlässt, ein erstes Loslassen, ein Blick, der weicher wird. Es sind Momente, die sich anfühlen, als würde ein Knoten aufgehen, den niemand gesehen hat.

Wenn wir gemeinsam Hausaufgaben erarbeiten, geht es nicht darum, irgendetwas richtig zu machen. Sondern darum, Bindung zu stärken, Vertrauen zu üben und dem Hund zu helfen, neue Bewegungs- und Entspannungsmuster zu finden. Viele Halter berichten, dass durch diese gemeinsame Arbeit ihre Beziehung noch mal tiefer, klarer und gegenseitig verständlicher wird. Nicht, weil sie plötzlich mehr trainieren, sondern weil das Tier in einer neuen Art gesehen und begleitet wird.

Physiotherapie ist keine Konkurrenz zu Training oder Tierarzt.
Sie ist ein Bindeglied.
Ein Raum zwischen Körper und Gefühl.
Zwischen Halter und Tier.
Zwischen Anspannung und Erleichterung.

Und gerade Angsthunde, also jene, von denen man glaubt, sie könnten sich nicht öffnen, sind oft die, die am deutlichsten zeigen, wie wohltuend es sein kann, wenn jemand endlich versteht, wie viel sie tragen.

Manchmal ist die sanfteste Berührung der Beginn einer großen Veränderung.

Ihr müsst nicht perfekt sein, um Hilfe zu bekommen.
Wenn du möchtest, gehen wir diesen Weg gemeinsam, mit der Behutsamkeit und dem Verständnis, die dein Hund braucht.

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