Mein Weg in die Tiertherapie – warum ich tue, was ich tue

Manchmal ist es ein einziges Tier, das uns auf einen Weg führt, den wir alleine vielleicht nie gefunden hätten.

Ich bin mit dem Selbstverständnis aufgewachsen, dass Tiere einfach dazugehören. Nicht als Hobby, nicht als Interesse, sondern als stiller Teil meiner Welt, ohne den sich nichts vollständig anfühlte. Damals wusste ich nicht, dass genau daraus einmal mein Beruf werden würde. Aber ich wusste, dass mein Weg irgendwann zu ihnen hinführen würde.

Es gab keinen großen Knall, keinen magischen Moment, an dem plötzlich alles klar war. Eher waren es viele kleine Richtungen, leise Hinweise, Begegnungen, in denen Tiere mir deutlicher zeigten, wer ich bin, als Menschen es je konnten. Und irgendwann, ohne dass ich es bewusst geplant hätte, stand ich mitten auf meinem Weg.

Der Moment, an dem ich mich fragte: Was ist mir wirklich wichtig?

Ich war müde geworden. Nicht körperlich, sondern tief in mir. Müde vom Funktionieren, von Anforderungen, vom „weiter so“, obwohl es sich nicht mehr richtig anfühlte.
Und genau in dieser Müdigkeit stellte sich mir eine Frage, die man sonst gerne wegschiebt:

„Was brauche ich wirklich?“

Die Antwort führte mich dorthin, wo mein Herz längst war.

Ich begann meine Ausbildung, damals ohne Vorstellung, wie tief diese Arbeit einmal gehen würde. Wie nah, wie vertraut, wie ehrlich man in der Therapie mit Tieren wird. Wie sehr man dafür nicht nur Wissen, sondern auch Entwicklung braucht. Und Mut.

Denn ich war so roh! Fachlich, therapeutisch, energetisch. Und dazu kam meine größte Angst: Prüfungen. Situationen, in denen mir die Worte fehlten, die Gedanken verschwammen, der Körper blockierte. Aber ich ging trotzdem weiter.
Nicht, weil ich schon stark war, sondern weil ich wusste, dass ich noch stärker werden würde.

Als ich das erste Mal spürte, wie Therapie wirkt

Es gibt diesen Moment, den man nie vergisst:
Ein Tier atmet ab. Ganz weich, ganz tief. Und im Raum wird es einfach still.

Es ist kein spektakuläres Ereignis. Keiner klatscht. Niemand sagt: „Gut gemacht.“
Und doch ist es genau dann, als Therapeutin, als Mensch, als fühlendes Wesen, vollkommen klar:

Das ist es. Dafür bin ich hier.

Diese stille Dankbarkeit, die in den Körpern der Tiere entsteht. Das ist mehr als jede Bestätigung von außen.
Es ist ein Dialog ohne Worte.
Und er verändert alles.

Faszien, Ketten, Muster und mein Staunen darüber, wie alles zusammenhängt

Ich hätte nie erwartet, wie sehr mich die Arbeit mit faszialen Strukturen einmal faszinieren würde.
Wie weit Spannungen reichen können.
Wie sich ein Körper verändert, wenn er etwas loslassen darf.
Wie ein Blick klarer wird. Wie Bewegung leichter wird.
Wie plötzlich wieder Raum entsteht, im Körper und im Verhalten.

Je tiefer ich verstehe, wie alles vernetzt ist, desto klarer wird meine Aufgabe:
Nicht reparieren. Nicht richten.
Sondern begleiten. Lesen. Spüren. Und dem Körper helfen, seinen eigenen Weg zu finden.

Wie mich diese Arbeit selbst verändert hat

Vor einigen Jahren konnte ich mich oft nur schwer selbst erden. Ich war ein Mensch, der viel fühlte, aber häufig nicht ausreichend Halt fand.
Heute bin ich oft der Halt für andere. Für Tiere, aber auch für Menschen, die mit ihren Sorgen kommen, mit ihrer Verantwortung, ihrer Hoffnung.

Und jedes Tier erinnert mich an etwas Wesentliches:

Sicherheit entsteht nicht aus Kontrolle, sondern aus Verbindung.

Warum ich heute tue, was ich tue

Es klingt groß, aber es ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht von der Hand zu weisen!
Ich habe eine Gabe bekommen.
Nicht im Sinne von Überlegenheit, sondern im Sinne von Verantwortung.

Ich nehme einfach so Dinge wahr, die man nur schwer lernen kann.
Und ich darf sie nutzen, um Wesen zu helfen, die sich nicht selbst erklären können.
Ich gebe ihnen eine Stimme, manchmal eine weitere Chance und immer einen geschützten Raum.

Das ist mein Warum.

Und wenn ich eines wünsche, dann dass Menschen, die meinen Weg begleiten, spüren, was in dieser Arbeit steckt:
Mut. Hingabe. Stille Erkenntnis. Und die Bereitschaft, niemals aufzuhören zu lernen.

In Gedenken an Pete

✶ 24.05.2012 ✝ 29.09.2025


Du warst der Anfang eines Weges, den ich ohne dich so nie zu fühlen gelernt hätte.

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