Über das Nervensystem, innere Anspannung und Wege zurück in die Regulation.
Nach intensiven Stressereignissen wie Silvester beobachtet man bei manchen Tieren Reaktionen, die nicht einfach nach ein paar Tagen verschwinden. Hunde, die dauerhaft hecheln, obwohl keine Hitze oder körperliche Belastung vorliegt. Pferde, die unruhig wirken, schlechter fressen oder insgesamt „nicht bei sich“ sind.
Diese Reaktionen sind kein Fehlverhalten, sondern können Ausdruck eines vegetativen Nervensystems sein, das noch im Alarmmodus arbeitet.
Im akuten Stress ist diese Reaktion sinnvoll und medizinisch gewollt. Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, der Körper stellt auf Überleben um. Die Herzfrequenz steigt, Muskulatur spannt sich an, Verdauung und Futteraufnahme werden gedrosselt, Wasserhaushalt und Hormonachsen verändern sich. Kurzfristig schützt das den Organismus.
Problematisch wird es, wenn dieser Zustand nicht mehr sauber verlassen werden kann.
Bleibt der Sympathikus über längere Zeit dominant, fehlt der Wechsel in den parasympathischen Modus, also in den Zustand, in dem Regeneration, Verdauung, hormonelle Balance und Gewebereparatur stattfinden. Die Folgen zeigen sich oft nicht sofort, sondern schleichend. Eine reduzierte Futteraufnahme oder veränderte Kotkonsistenz, eine Muskeltonuserhöhung, fasziale Verdichtungen, innere Unruhe oder Schlafstörungen.
Ein häufig übersehener Aspekt ist dabei die Atmung. Unter Stress wird sie flacher, das Zwerchfell verliert an Beweglichkeit. Das beeinflusst nicht nur die Sauerstoffversorgung, sondern auch die Spannungsketten im gesamten Körper. Nacken, Brustkorb, Rücken und Becken reagieren, häufig mit Kompensationen, die sich später im Bewegungsbild oder Verhalten zeigen können.
Hier unterscheiden sich gut gemeinte Maßnahmen von fachlich gezielter Therapie.
Ein Tierhalter kann seinem Tier Nähe anbieten, beruhigend streicheln und Sicherheit vermitteln und das ist wertvoll. Doch eine ausgebildete Therapeutin erkennt, wo Spannung sitzt, warum sie entstanden ist und wie sie reguliert werden kann. Sie arbeitet nicht nur lokal, sondern systemisch: über Gewebe, Nervensystem und vegetative Regulation.
In meiner Arbeit nutze ich dafür gezielt ruhige manuelle Techniken, energetisch ausgleichende Impulse sowie ausgewählte Akupressurpunkte und Leitbahnen, orientiert an der TCM und der energetischen Körperarbeit. Ziel ist nicht Lockerung um jeden Preis, sondern die gezielte Aktivierung des Parasympathikus. Erst wenn der Körper wieder Sicherheit wahrnimmt, kann er Spannung loslassen. Viele Tiere beginnen in diesen Momenten erstmals wieder tief zu atmen, sichtbar zu entspannen und innerlich herunterzufahren.
Ein Termin ist besonders dann sinnvoll, wenn du merkst, dass du dein Tier aus diesem Zustand nicht selbst herausbegleiten kannst. Wenn Hecheln, Unruhe oder Futterverweigerung anhalten. Oder wenn du spürst, dass dein Tier Unterstützung braucht, um wieder in seine Balance zu finden und du diese Verantwortung aktuell nicht allein tragen möchtest.
Physiotherapie ist in diesen Fällen keine Krankengymnastik, sondern Regulation. Sie setzt dort an, wo der Körper festhängt, und schafft die Voraussetzungen dafür, dass der Organismus wieder selbst arbeiten kann.
Dann kann endlich wieder dieser Moment entstehen, den viele Halter beschreiben:
Ruhe.
Tiefe Atmung.
Ein Tier, das wieder bei sich ankommt.
Wenn du dir unsicher bist, wie du dein Tier zu Hause beim Abschalten unterstützen kannst, kann eine angeleitete Entspannungsmassage eine hilfreiche Möglichkeit sein.
Genauso darfst du dich melden, wenn du das Gefühl hast, dass dein Tier gerade mehr Unterstützung braucht und ein Termin sinnvoll wäre.
Ich wünsche euch und euren Tieren einen ruhigen Start ins neue Jahr.
Ein Jahr mit mehr Entspannung, Vertrauen und gemeinsamen Momenten zum Durchatmen.
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